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Emma aus Berlin, 21

Freiwilligendienst mit ASF in den USA

Art
Freiwilligendienst
Kontinent
Nord- und Mittelamerika
Land
USA
Ort
Philadelphia
Zeitraum
09/2023-09/2024
Organisation
ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste)
Wohnort
Berlin
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Mein Alltag & meine Aufgaben

Ich hatte insgesamt drei verschiedene Tätigkeitsbereiche. Im Obdachlosenheim Joseph’s House in Camden, New Jersey, war ich unter anderem für die Kontrolle unserer Bettenlisten zuständig. Dabei habe ich dokumentiert, wer die Nacht im Obdachlosenheim verbracht hat und wer weiterhin bei uns übernachten durfte. Außerdem habe ich verschiedenste Spenden sortiert und an die Bewohner verteilt. Dabei wurde ich häufig von Highschool-Schülern oder anderen freiwilligen Gruppen unterstützt, deren Einsätze ich zusätzlich koordiniert habe. Mittags half ich bei der Essensausgabe und zum Ende meiner Schicht habe ich gemeinsam mit meinen Kolleg:innen die Räumlichkeiten gereinigt. Im Community Center Sisters of Saint Joseph (SSJ) habe ich einmal pro Woche lateinamerikanische Immigrant:innen in Englisch unterrichtet. Darüber hinaus habe ich verschiedene Dokumente, beispielsweise Führerscheine und Reisepässe, übersetzt. Ich war im ständigen Austausch mit den Menschen, die die Angebote des Centers wahrgenommen haben, und habe unter anderem Termine koordiniert. Auch bei SSJ gehörte das Sortieren und Verteilen von Spenden zu meinen Aufgaben, insbesondere die Ausgabe von Windeln an Mütter. Zusätzlich habe ich Excel-Tabellen gepflegt, in denen die eingegangenen Spenden dokumentiert wurden. Ich habe außerdem Social-Media-Posts vorbereitet, die anschließend größtenteils über verschiedene Community Channels verbreitet wurden. Einmal pro Woche habe ich gemeinsam mit einer Kollegin vormittags eine Kinderbetreuung angeboten. Zusätzlich haben wir einmal im Monat eine große Lebensmittelausgabe für den gesamten Block organisiert, bei der wir mehr als 500 Familien mit Lebensmitteln versorgt haben. Mein dritter Tätigkeitsbereich war die Unterstützung bei zwei Gottesdiensten jeden Sonntag. Unter der Woche habe ich dafür die PowerPoint-Präsentationen vorbereitet. Sonntags habe ich die Kirche geöffnet und die Räumlichkeiten für die Gottesdienste vorbereitet.

Foto 2 von Emma: Freiwilligendienst mit ASF in den USA

Highlights & wie es mir gefallen hat

Zu meinen absoluten Highlights gehörten von Anfang an die unglaubliche Gastfreundschaft und der Humor der Amerikaner. Gleichzeitig war auch das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen aus Deutschland eine ganz besondere Erfahrung. Wir haben unglaublich viel gemeinsam erlebt und dadurch sind sehr enge Freundschaften entstanden. Meine Lieblingseinsatzstelle war mit Abstand das SSJ. Trotz der vielen Schicksalsschläge, mit denen die Menschen dort teilweise konfrontiert waren, herrschte oft eine unglaublich positive Stimmung. Gleichzeitig hatte ich dort wirklich das Gefühl, mit meiner Arbeit etwas bewirken und Menschen konkret helfen zu können. Ein ganz besonderer Moment war für mich, als eine meiner Schülerinnen ihren Englischtest für die Green Card bestanden hat. Auch die Schwestern haben mich aufgenommen, als wäre ich ihre eigene Tochter, und mit der Zeit war ich tief in der Community verwurzelt. Durch meine Arbeit habe ich aber auch Seiten der USA kennengelernt, die man als Tourist wahrscheinlich nie sehen würde. Ich habe das wirklich tiefe New Jersey erlebt und im Obdachlosenheim von Schicksalsschlägen erfahren, über die ich teilweise bis heute nachdenke. Auch die Gottesdienste waren eine besondere Erfahrung und ganz anders, als ich es aus Deutschland kannte – mit viel mehr Stimmung, Musik und Gemeinschaft. Gleichzeitig war es natürlich toll, so nah an New York City und Washington, D.C. zu leben und diese Städte regelmäßig besuchen zu können. Mit Abstand das Beste an der gesamten Zeit waren für mich aber die Menschen. Ich habe Freundschaften fürs Leben geknüpft und bis heute habe ich das Gefühl, dass mich kaum jemand so gut versteht wie die Menschen, mit denen ich diese Zeit im Ausland verbracht habe. Diese gemeinsame Erfahrung hat uns unglaublich zusammengeschweißt.

Foto 3 von Emma: Freiwilligendienst mit ASF in den USA

Organisation & Bewerbung

Der Bewerbungsprozess war in mehrere Phasen aufgeteilt. Alles fing damit an, dass meine Schwester mich mehr oder weniger dazu gezwungen hat, mich bei ASF zu bewerben. Dafür bedanke ich mich bis heute bei ihr. Dann habe ich mich ungefähr eine Woche hingesetzt, meine Bewerbung geschrieben und teilweise sehr persönliche Fragen beantwortet. Danach hieß es erstmal eine Weile warten, bis ich zu einem Auswahlseminar eingeladen wurde, das an einem Wochenende im Januar über Zoom stattfand. Dort wurde man mit anderen Bewerber:innen in eine Gruppe eingeteilt und von zwei ehemaligen ASFlern begleitet. Wir haben wieder verschiedene Fragen beantwortet und an Workshops teilgenommen. Jede von uns hatte außerdem ein Einzelgespräch, bei dem es um die eigenen Vorstellungen und die möglichen Einsatzorte von ASF ging. Danach verging nochmal ziemlich viel Zeit, bis mir schließlich ausgerechnet die einzige Stelle angeboten wurde, die ich von Anfang an ausgeschlossen hatte. Es folgte eine sehr emotionale Woche, in der ich mir ernsthaft Gedanken darüber machen musste, ob ich an einem Einsatzort arbeiten und leben kann, über den ich vorher fast nur Negatives gehört hatte. Am Ende habe ich mich dafür entschieden. Danach musste ich ziemlich schnell mein Visum beantragen und 15 Pat:innen zusammentrommeln. Eine Woche vor der Abreise haben sich alle Freiwilligen in Berlin getroffen, um sich kennenzulernen und gemeinsam auf das Auslandsjahr vorzubereiten. Nach dem Auslandsjahr gab es noch eine freiwillige Seminarwoche für die Rückkehr, bei der man das vergangene Jahr gemeinsam reflektieren konnte.

Mein wichtigster Tipp

„Unbedingt machen. Egal, wie große Angst man davor hat. Bis ganz zum Schluss wollte ich eigentlich nicht abreisen, vor allem weil ich als Erste und Einzige aus meinem Freundeskreis ins Ausland gegangen bin. Heute würde ich alles genauso wieder machen. Auch die schlechten Erfahrungen waren sehr prägend und im Nachhinein wichtig für mich. Ich bin in diesem Jahr so sehr an mir selbst gewachsen und kann mit Sicherheit sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich in meinem Leben getroffen habe. Ich glaube nicht, dass ich ohne dieses Auslandsjahr heute derselbe Mensch wäre, und würde wirklich jedem dazu raten, sich einmal so weit aus der eigenen Komfortzone herauszutrauen. Und auch wenn es sich vorher vielleicht so anfühlt: Man ist dabei nie alleine.“

Dieser Bericht wurde über unser Formular eingereicht und von uns vor der Veröffentlichung gelesen. Er gibt die persönliche Erfahrung der Person wieder.